Doppelhöcker! » Foren » Verfasste Antworten »
Verfasste Forenbeiträge
-
AutorBeiträge
-
2. Januar 2024 um 22:18 Uhr #1569
Doppelhöcker!
AdministratorDas hoffte sie auch, denn Yojana verstand wohl, was Feilan gerade gesagt hatte. Meimei würde die Schwertkunst lernen. Tatsächlich war sie aber sehr optimistisch. Ihr Sohn war ein zuverlässiger und auch leidenschaftlicher Mann geworden. Er widmete sich dem, was er tat, mit Konzentration und Hingabe. Wenn er dieses Mädchen unterrichtete, würde er auch das so gut tun, wie er es irgendwie konnte. Das war viel, denn er war fähig und zugleich klug genug, immer weiter zu lernen.
Dann jedoch wurden ihre Gedanken wieder abgelenkt und kurz schlich sich eine schmerzliche Schwere in ihren Blick. Ihr Mann. Ihre Tochter. Wenn es nur um diese beiden gegangen wäre, vielleicht hätte sie sie jetzt schon herholen lassen können. Sie waren keine Bändiger. Shu-Aru war nicht einmal ein Kämpfer. Von ihnen ging keine Gefahr aus, zumindest niemals so viel wie von ihr selbst, von Haku und Tomi.
«Wenn es nur um diese beiden ginge, wäre es wohl kein Problem.», antwortete Yojana. «Aber ich kann meine Schüler nicht im Stich lassen. Sie müssen alle die Erlaubnis bekommen, herzuziehen, und so lange führt Shu-Aru, mein Ehemann, ihre Gemeinschaft an meiner statt, wie es Sitte ist.»
Ein tiefer Atemzug hob und senkte ihre Schultern, wobei ihr Gesichtsausdruck wieder ruhig und entschlossen wurde. Es war, wie es war, und Angst würde ihr nicht dabei helfen, diejenigen in Sicherheit zu führen, für welche sie die Verantwortung trug. Ihr Mann, ihre Tochter und ihre Schüler waren alles fähige Menschen und sie würden es schaffen.
«Ich hoffe, dass wir bald die Gelegenheit bekommen, auszurücken und die marodierenden Feuerbändiger unmittelbar ausserhalb der Mauarn zu Fall zu bringen. Das wird uns Aufwind geben. Ich hoffe auf die Erlaubnis, meine Leute zumindest ins Umland holen zu dürfen. Dann können wir dort für Ordnung sorgen und unseren Nutzen und unsere Position unter Beweis stellen.»
Es würde ihr schon viel bedeuten, wenn sie zumindest direkt für ihren Schutz sorgen konnte. Sicher, sie konnte versagen. Aber wenn sie nicht da war, hatte sie nicht einmal dazu die Möglichkeit.
25. Dezember 2023 um 20:10 Uhr #1566Doppelhöcker!
AdministratorJa, sie war froh, dass sie Meren gezwungen hatte, und gleichzeitig hasste sie es. Sie hasste es, weil sie auf einer völlig irrationalen Ebene einfach nur wollte, dass ihre Kinder glücklich waren, dass sie das tun konnten, was sie liebten, ihr Leben lang. Doch die Realität war eine andere. Die Realität erlegten ihnen Allen Zwänge auf, Zwänge, deren Mittel nicht aus Unbequemlichkeit bestanden, sondern aus Leid, aus Schmerz. Aus Tod. So war es nun einmal und auch wenn Yojana hoffte, dass irgendwann die Welt perfekt sein würde, so, dass jeder in Frieden und Wohlstand leben konnte, so war ihr doch klar, dass es jetzt, hier und heute nicht so war.
Dann sprach Feilan weiter und stellte eine Frage, welche Yojana schon oft gestellt worden war. Wahrscheinlich deswegen, weil sie schwer zu glauben war, schwer zu verstehen, schwer anzuerkennen. Doch der Feuerlord musste den Traditionen und Werten seiner Nation folgen, egal, ob er den Krieg weiterführen wollte oder nicht. Es gab kein Zurück.
«Das ist leider einfach.», antwortete sie darum. «Dieser Krieg wird nur mit einem Sieg enden. Mit einem Sieg der Feuernation oder mit einem Sieg des Erdkönigreiches und der Wasserstämme. Eine Aufgabe kommt nicht in Frage. Gibt der Feuerlord auf, befiehlt er den Rückzug… dann wird er nicht mehr Feuerlord sein. Das lässt die Kultur unserer Gesellschaft nicht zu. Kampf und Sieg bringen Ehre – und diese sogenannte Ehre ist das, worauf Prestige und damit der Rang baut. Selbst wenn er aufhören wollen würde, er kann nicht. Ich glaube aber nicht, dass er das will. Seine Armee wächst mit jedem Meter Land, den er einnimmt. Er kann die Kämpfer der eroberten Landstriche in seine Armee zwingen, indem er die Familie bedroht. Sie werden tun, was er sagt, für das Wohl ihrer Kinder.»
Yojana sprach ruhig und analytisch. Für sie war klar, was geschah, auch wenn viele es nicht wahrhaben wollten und sich nicht trauten, die Konsequenzen daraus zu ziehen.
«Die Menschen des Erdkönigreichs tun, was ihnen nahe liegt: Sie leisten voller stabilität Widerstand. Aber das wird hier nichts nützen, denn damit gehen die Soldaten verloren, die für den Sieg gebraucht werden. Was nötig wäre, ist zu handeln wie eine hohe Flutwelle, nicht wie Erde. Eine hohe Flutwelle zieht sich erst weit zurück, lässt viele Meter Boden frei, wo sonst Wasser wäre – und dann schlägt sie mit einer Wucht und Gewalt zu, welche einfach alles hinwegfegt und jeden Schwelbrand löscht. Selbst wenn eine solche ‘Welle’ nur schon die Hälfte freiräumen würde, das wäre viel. Eine zweite kann folgen, mit Zeit und Vorbereitung. Mit jedem Tag, an welchem diese Strategie nicht vorbereitet wird, verliert das Erdkönigreich weitere Soldaten und es wird immer unwahrscheinlicher, dass es jemals gelingen kann. Die Luftnomaden sind bereits vernichtet, der südliche Wasserstamm wurde aufgerieben. Die Zeit läuft uns allen davon.»
Auch ihr, das war ihr wohl bewusst. Sie hatte sich für eine Seite entschieden, und mit der würde sie triumphieren oder sterben. Es gab keinen Mittelweg, denn auch Yojana hielt viel auf ihre Ehre. Diese aber zog sie nicht aus dem Sieg, sondern aus ihrer Aufrichtigkeit.
«Ich hoffe also… wenn Prinzessin Meimei die Schwertkunst erlernt, dass sie dann, wenn sie alt genug ist, in den Kampf zu ziehen, das Erdkönigreich wieder frei ist.»
14. Dezember 2023 um 16:14 Uhr #1558Doppelhöcker!
AdministratorLangsam schüttelte Yojana den Kopf. Es schmerzte sie, daran zu denken. Es schmerzte sie, denn sie wusste, dass, egal, wie sie es sich schönredete, ihre Tochter darunter gelitten hatte, dass sie die Kampfkunst hatte lernen müssen. Besonders darum, weil es verboten gewesen war, ihr den Grund zu sagen. Yojana hatte den Willen ihrer Eltern diesbezüglich natürlich respektiert. Nun aber…
«Meine Tochter, Meren, hat als Kind natürlich auch einfach nachgemacht, was ich getan habe, aber sie hat es nie aus sich heraus geübt. Dass sie keine Bändigerin ist, anders als ihre beiden Brüder, hat die Situation sicher auch nicht leichter gemacht. Es war ein ewiger Kampf, und auch wenn sie letztendlich getan hat, was ich von ihr verlangt habe, so hat sie doch viel Energie in etwas gesteckt, das sie nicht geliebt hat.», antwortete die Schwertmeisterin, fühlend, wie die Tatsache, dass es jetzt frei zu erklären war, sie tief ergriff. Immer hatte sie sich etwas aus den Fingern gesogen, immer gesagt, dass es Meren nicht gut zu Gesicht stünde, als Tochter aus dem Haus des Feuerschwertes nicht zumindest das Schwert führen zu können… und jedes Mal hatte sie sie angelogen. Ein bitterer Zug war um den Mund der strengen Frau zu sehen. Auch wenn sie wusste, dass es notwendig gewesen war, so bereute sie doch, dass sie das ihrem Kind angetan hatte.
«Leider gibt es Zwänge und Gefahren in den Leben derer, welche den Weg des Schwertes gehen, und immer geht es um Leben und Tod. Schwertkämpfer fordern einander heraus und jeder lernt so seinen Platz im grossen Gefüge kennen. Wenn jemand diesen Platz jedoch nicht akzeptiert, dann greift er zur Hinterlist und greift nicht den Kämpfer selbst, sondern dessen Schüler an. Dessen Kinder. Und darum muss jedes meiner Kinder überragend sein, damit niemand auf diese Idee kommen kann.»
So wie Mero, ihr Bruder. Damals. Oh, wie hatte sie geweint, als er nicht mehr nach Hause gekommen war, ermordet von einem Rivalen ihres Vaters. Mero, der nichts anderes hatte tun wollen als zu schmieden und mit seinen Freunden zu lachen und zu feiern. Ihrer Tochter würde das nicht passieren. Niemals.
11. Dezember 2023 um 13:16 Uhr #1555Doppelhöcker!
AdministratorKurz blickte Yojana dem Mädchen nach, oder vielmehr einfach dorthin, wo es verschwunden war. Ihr Gesicht nahm wieder den gewohnten Ernst an, nicht, weil ihre Gedanken trübe, sondern einfach nicht mehr aussergewöhnlich hell waren. Als Feilan wieder das Wort ergriff, wandte sie sich wieder ihr zu. Ja, Meimei war begeistert, das war offensichtlich.
«Ja, es ist deutlich zu sehen.», erwiderte Yojana und überlegte, ob sie weitersprechen sollte oder nicht. Es war nicht an ihr, sich einzumischen in diesen Prozess. Ob Meimei kämpfen durfte oder nicht – wirklich kämpfen, mit einer Waffe in der Hand – das war nicht an ihr. Aber oh, sie wusste, was es bedeutete, dem eigenen Kind den Weg zu verwehren, den es begehen wollte. Sie hatte das selbst verschuldet, um ihre eigene Tochter zu beschützen und tatsächlich war sie nun dankbar, dass sie das getan hatte. Meren konnte sich und ihr Leben verteidigen und es war ja nicht so, dass ihr Leben einfach nur aus der Schwertkunst bestanden hatte. Gerade weil sie keine Bändigerin war, hatte es viel Raum für sie selbst gegeben, und doch wünschte sich Yojana aufrichtig, es hätte nicht die Notwendigkeit gegeben, sie Kampf zu lehren.
«Und sie ist sehr gut.», fügte sie an, unschlüssig, ob sie das Thema ansprechen wollte oder nicht, welches ihr gerade auch noch im Kopf herumgeisterte. «Die Art, wie sie sich bewegt, macht deutlich, dass sie viel übt. Das, was sie gezeigt hat, könnte sie nicht, würde sie nur den Unterricht besuchen.»
Normalerweise lernten erwachsene Schüler schneller als Kinder, einfach darum, weil sie besser fokussieren konnten und sich nicht so leicht ablenken liessen. Dennoch hatte Meimei Elemente richtig gemacht, welche manche erwachsenen Anfänger nicht auf die Reihe bekamen – und die Energie und die Kraft in ihren Techniken zeigte auch, dass sie kämpfte und nicht einfach nur irgendwelche Bewegungen imitierte, wie es auch häufig passierte.
«Ich wünschte, meine Tochter hätte nur einen Fingerhut voll von der Begeisterung der Prinzessin aufgebracht…», murmelte sie dann. Ja, das wünschte sie wirklich.
10. Dezember 2023 um 21:48 Uhr #1553Doppelhöcker!
AdministratorIn diesem Augenblick war Yojana froh, dass sie wusste, dass es noch nicht sicher war, ob Meimei jemals ein Schwert führen würde, denn natürlich hatte sie gefragt, warum Yoshu sie nicht als Schülerin genannt hatte, sondern als eine der beiden Prinzessinnen, die er unterrichtete. Sie lernten nicht die Schwertkunst und waren nicht im eigentlichen Sinne Teil der Schule. Jetzt, in diesem Augenblick, wusste sie auch, warum Yoshu hoffte, dass sie diesen Schritt würde tun dürfen, denn die Ernsthaftigkeit und die Entschlossenheit in den Worten dieses noch so kleinen, jungen Menschen waren von einer ehernen Tiefe und Kraft.
«Dafür sind unsere Schwerter da, die unserer Schule.», antwortete Yojana und nickte langsam. «Und wer weiss, vielleicht wird es ja dazu kommen, dass du eines Tages ebenfalls so eines trägst. Die Zeit wird es zeigen.»
Yojana setzte sich wieder hin, damit sie mit dem Mädchen auf Augenhöhe war, und blickte es an.
«Hat dir mein Sohn erzählt, warum das unsere Überzeugung ist, obwohl doch Wut und Zorn einen so hohen Stellenwert haben in unserer Heimat?» Es wunderte sie nicht, dass Meimei den Kopf schüttelte, doch es schien ihr ein guter Moment zu sein, ihr eine Geschichte zu erzählen. Eine, welche sie in dieser Überzeugung, die sie gerade zeigte, bekräftigen konnte, unabhängig davon, ob sie nun eines Tages kämpfen würde oder eben nicht.
«Vor langer, langer Zeit, da waren die Drachen die ersten Feuerbändiger der Welt. Ihr Feuer war rein und voller Freude. Es war schön und brachte Wärme, und das war sein Zweck, nicht die Zerstörung. Von den grossen und wunderbaren Drachen lernten die ersten Menschen das Feuerbändigen. Wir erinnern uns an sie als die Sonnenkrieger. Ihr Bändigen war ebenso rein wie das der Drachen, und sie praktizierten es viele hundert Jahre. Obwohl wir heute Sonnenkrieger sagen, waren sie eine Nation des Friedens und der Harmonie. Doch mit der Zeit wurden die Sonnenkrieger verdrängt von einem neuen Volk, welches ebenfalls das Bändigen lernte, doch ihre Treibkraft war Wut und Zorn. Sie waren nicht stärker, nein, aber grausamer, härter, gnadenloser und mehr und mehr übernahmen sie die Macht auf den Inseln meiner Heimat. Doch nicht alle Sonnenkrieger verschwanden, und ihre Kunst starb nie ganz aus. Meine Grossmutter erzählte mir, dass unsere Schwertkunst von den Sonnenkriegern stammt. Sie ist bar von Zorn und von Wut, aber erfüllt von Mitgefühl und Wärme. Unsere Kraft wohnt in unserem Inneren, und wir brauchen sie niemandem zu beweisen. Wir nutzen sie nur, wenn es um Leib und Leben geht. So habe ich meinen Sohn erzogen und so wird er unsere Kunst an die nächste Generation weitergeben.»
Yojana lächelte ein sehr seltenes Lächeln und nun war die Ähnlichkeit zu dem meist freundlichen Yoshu sehr deutlich. Obwohl ihre Augen so unterschiedlich waren, hatten sie das selbe Lächeln, Yojana und er.
10. Dezember 2023 um 11:43 Uhr #1551Doppelhöcker!
AdministratorSoso, das sagte also Meister Yoshu, dachte Yojana, und auch wenn sie zustimmte, erinnerte sie sich gut daran, wie wenig sich ihr ältester Sohn als Junge daran gehalten hatte. Nicht bei den grossen Dingen wie dem Nutzen einer geschliffenen Klinge, aber sehr wohl bei den Kleinen. Das jedoch würde sie Meimei sicher nicht auf die Nase binden. Sie würde früh genug anfangen, in Bezug auf diese Kunst sowohl selbst zu denken wie auch selbst aufprobieren zu wollen, und bis dann war zu hoffen, dass sie unterscheiden konnte, wo es wichtig war und wo nicht.
«Es ehrt dich und ihn, dass du danach handelst.», antwortete Yojana anerkennend. Wie schön das war, dachte sie. Ja, wie schön. Ihr Sohn war offenbar ein Lehrer geworden, dem es gelang, seine Schüler dort abzuholen, wo sie sich befanden, und ihnen das Vertrauen zu vermitteln, das sie benötigten.
Nun wandte sich das Kind an seine Mutter und Yojana ahnte schon, dass sie einiges an Zeit mit dem Mädchen verbringen würde. Das störte sie nicht. Sie mochte Kinder, sehr sogar. Ihre unvoreingenommenen Gedanken und Ideen waren oft von grosser Klugheit und es lohnte sich, sich mit diesen auseinanderzusetzen. Zudem war es Yojanas Leidenschaft, ihr Wissen weiterzugeben und anderen dabei zu helfen, zu starken Personen heranzuwachsen, ausgestattet mit vielerlei Werkzeug, das sie klug zu nutzen wussten. Das benötigte Geduld und Ausdauer, auch die Bereitschaft, Rückschläge und Enttäuschungen in Kauf zu nehmen, und diese Dinge brachte die Meisterin geradezu im Überfluss mit.
Gleich darauf wandte sich Meimei wieder an sie und überhäufte sie mit begeisterten Fragen. Nun, wo sollte sie jetzt anfangen? Hinten, entschied sie, denn das gab den besten Anfang. «Ich übe schon, seit ich gehen kann.», antwortete sie also. «Meine Grossmutter, mein Grossonkel und mein Vater haben mich unterrichtet. Erst habe ich ohne Waffen gelernt, so wie du jetzt, dann kam ein Holzschwert dazu und schliesslich ein Echtes. Und nur zum Spass habe ich viele Sachen mit Alltagsgegenständen geübt. Mit einem Schal, einem Fächer oder einem Sitzbänkchen.»
Letztendlich gab es nicht so viele Waffenkonzepte, und wenn man eines einmal verstanden hatte, liess es sich leicht auf verwandte Waffen erweitern.
«Was übst du denn am Liebsten?», fragte sie nun ihrerseits.
9. Dezember 2023 um 13:00 Uhr #1549Doppelhöcker!
AdministratorKurz dachte Yojana an ihren Vater. Der war richtig, richtig gut gewesen, um es in den Worten dieses Kindes zu formulieren. Sie selbst hatte es früher so gesagt. Ihr Vater, der so richtig, richtig gut war, und ihre Grossmutter, die diesen Mantel vor ihm getragen hatte… und nun, nun hatte sie ihn um die Schultern. Die Erbin des Stils, das Oberhaupt, die, welche die Pflicht hatte, dieses Wissen in die Zukunft zu tragen. Sie musste ihren Sohn unterrichten, so oft es ihr noch möglich war, denn vielleicht würde er dieses Erbe weit vor der Zeit antreten müssen, jetzt, da Krieg herrschte. Und sie würde auch Haku möglichst viel mitgeben. Die Linie durfte nicht enden, bloss, weil ihr Leben im Krieg vielleicht endete.
Die Frage des Mädchens nach einer Vorführung liess die Augenbrauen der Meisterin dann ein wenig nach oben wandern. In einem öffentlichen Rahmen hätte sie diese Frage auf jeden Fall eine Absage erteilt, aber das hier war kein öffentlicher Rahmen, sondern sehr privat. Ausserdem war die Prinzessin noch sehr jung und dass sie diesbezüglich etwas zu Etikette wusste, nun, das war unwahrscheinlich – und es war auch nicht an ihr, diese zu vermitteln. Sie würde es ihrem Sohn sagen, dass er das vielleicht noch würde tun müssen, denn er war derjenige, der Meimei unterrichtete. Sie würde für den Moment einfach gerade ungerade sein lassen und die Begeisterung nicht dämpfen.
«Möglicherweise.», antwortete sie darum. «Mein Sohn sagte mir, du lernst, wie man sich verteidigt, richtig?»
Die Prinzessin nickte zustimmend, und gleich darauf nickte auch Yojana.
«Vielleicht wird er dir irgendwann zeigen, wie man Alltagsgegenstände verwenden kann, um das zu tun. Mein Liebster dazu ist ein einfaches Tuch, so, wie mein Schal.»
Eben jenen nahm Yojana nun ab, hielt die beiden Enden in einer Hand und griff ihn dann mit enem Finger auch noch in der Mitte, damit er nicht auf den Boden hing. Dann nahm sie dort Aufstellung, wo zuvor Meimei begonnen hatte, verneigte sich höflich in Richtung ihrer Zuschauer, sammelte sich – und begann. Sie bewegte sich für ihre Verhältnisse eher ein wenig langsam, denn es war kalt und ihr Körper nicht aufgewärmt, aber von Aussen betrachtet war es wohl kaum zu bemerken. Yojana drehte und wendete sich mit grosser Elastizität und immer wieder peitschte das Schaltuch, nun nur noch an den Enden gehalten, durch die Luft, traf ein imaginäres Ziel und zuckte dann wieder zurück. Es war deswegen spektakulär anzusehen, auch wenn die Bewegungen an sich nicht sehr kompliziert waren. Die Vorführung war auch nicht lang. Yojana improvisierte es einfach, ohne sich an irgendeinen Ablauf zu halten, kam dann zum Ende, verneigte sich wieder und legte sich den Schal im Anschluss wieder um.
«Falls du es ausprobierst, Prinzessin Meimei, sei vorsichtig. Es schmerzt, wenn man getroffen wird, und es ist nicht so schwierig, die Bewegung zu lernen. Man kann so auch Mücken jagen, die zu weit entfernt sind.»
DAS war etwas, das Yojana immer als praktisch angesehen hatte.
9. Dezember 2023 um 12:11 Uhr #1547Doppelhöcker!
AdministratorSchweigend und mit aller gebührenden Aufmerksamkeit schaute Yojana zu und brauchte keine Fantasie, um eine Basis-Handform ihres Stils zu erkennen. Das Mädchen arbeitete sehr genau und auch die Tatsache, dass es sich korrigierte und auch diese Vorführung offenbar gleich zur Übung nutzte, war beeindruckend. Die Winkel der Schrittarbeit waren noch ein wenig ungenau, aber das war in einer unruhigen Umgebung wie dieser viel schwieriger als in einem Raum mit rechteckiger Form und damit verbundenen, sehr klaren Orientierungsmöglichkeiten, und ausserdem ein sehr, sehr schwieriger Aspekt der Kunst. Was Yojana ebenfalls beeindruckte, und das fast noch mehr als die hohe Qualität, war die Einhaltung der Formalitäten. Prinzessin Meimei nahm Haltung an, grüsste, führte die Form vor, grüsste wieder. Es schwang Ernsthaftigkeit darin mit, welche einem Kind nicht leicht beizubringen war, wenn es sie nicht selbst aufbauen wollte. Die Jüngsten betrachteten diese Aspekte oft als Schikane und drückten sich darum herum, doch nicht dieses noch so junge Mädchen.
Yojana applaudierte und auch Feilan stimmte ein. Es war nur kurz, der Situation angemessen, doch es trug keinerlei Kinderwahrheit in sich, sondern war ein Ausdruck ehrlichen Respekts. Die Schwertmeisterin wusste zwar, dass Meimei nicht wirklich Yoshus Schülerin war – noch nicht, wie ihr Sohn hoffnungsvoll zum Ausdruck gebracht hatte – doch sie konnte sich des Gefühls trotzdem nicht erwehren, dass die Prinzessin eine ihrer ersten Enkelschülerinnen war, betrachtete man die Hingabe, welche sie gerade bewies.
«Ich bin beeindruckt, Prinzessin Meimei.», lobte Yojana nun bereitwillig. «Du hast schon viele Dinge gut verstanden.»
Noch nicht alles, nein, aber wer hatte das schon? Auch sie selbst fand manchmal Dinge in den altüberlieferten Abläufen, welche sie noch nicht bemerkt und nicht begriffen hatte. Es war ein nie endendes Lernen – und das war wunderbar.
«Du lernst bei meinem Sohn, nicht wahr?», fragte sie dann nach. Einerseits wollte sie, dass die Prinzessin ein Teil des Gesprächs war und nicht nur aufführte und dann wieder verschwand, und zum anderen wollte sie auch die Beziehungen klarstellen und Meimei nicht im Dunkeln tappen lassen, falls sie nicht wusste, dass sie Yoshus Mutter gegenüberstand. Das schien ihr nicht fair zu sein.
8. Dezember 2023 um 12:01 Uhr #1545Doppelhöcker!
AdministratorEs schmerzte zu sehen, wie die Realität gerade so hart in Feilan einschlug. Dieses Leid berührte Yojana zutiefst. Ihrem eigenen gegenüber war sie duldsam und ausdauernd, aber es fiel ihr schwer, anderen zuzuschauen, wie sie Schmerzen hatten. Nicht zuletzt darum folgte sie ihrer Passion, der Kampfkunst, denn es ermöglichte es ihr, anderen Leid zu ersparen, sie zu verteidigen, für sie einzutreten. Doch es gab Grenzen – dort, wo es nicht mehr um den direkten Schmerz, um die unmittelbare Gefahr ging. So wie jetzt. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als einen Moment lang sanft die schlanke Hand der anderen Frau drücken und still bei ihr zu sein.
Die Stille wurde jedoch von einem Wirbelwind aufgebrochen. Das musste dann wohl Meimei sein, die jüngere Tochter ihrer Gastgeberin. Yoshu unterrichtete sie in waffenloser Selbstverteidigung, wie Yojana wusste. Viel mehr hatte er nicht gesagt, denn er war äusserst diskret diesbezüglich, diskreter noch als seine Mutter. Das Vertrauen seiner Schüler war ihm so viel Wert, dass er dafür auch schon den Konflikt mit ihr riskiert hatte, damals, als er gerade sechzehn geworden war. Yojana hatte gelernt, es zu akzeptieren – und ihm zu vertrauen.
Als sich die junge Prinzessin höflich vorstellte, erhob sich Yojana von der Bank, ballte die rechte Hand zur Faust, setzte mit der offenen, linken, direkt oberhalb der Knöchel an, so, dass sie senkrecht nach oben ragte, den Daumen Yojana zugewandt, und verneigte sich leicht. So war es in der Feuernation üblich und sie dachte keinen zweiten Moment über die Geste nach. Diese war unter Kämpfern überall ähnlich und doch auch überall ein wenig anders.
“Es freut mich, dich kennenzulernen, Prinzessin Meimei.”, erwiderte sie. Das Mädchen mit ‘Ihr’ anzusprechen, kam ihr überzogen vor. “Ich bin Meisterin Yojana. Keine Sorge, du störst uns nicht.”
Ganz im Gegenteil kam Meimei genau zum richtigen Augenblick, wie die Sonne nach einer sehr kalten Nacht. Ihre Energie brach den Schmerz auf, genau wie die Begeisterung, mit welcher sie gerade eine neue Technik hatte demonstrieren wollen. Es war offensichtlich, dass sie grosse Freude an dem hatte, was sie lernte, und Yojana konnte sich sehr gut vorstellen, dass sie mit Yoshu harmonierte. Auf jeden Fall war sie jetzt sehr gespannt auf die Demonstration. Das war sie immer, egal, wie frisch oder erfahren eine Schülerin oder ein Schüler war.
5. Dezember 2023 um 20:57 Uhr #1543Doppelhöcker!
AdministratorMan konnte niemanden vor jedem Leid beschützen, das wusste Yojana gut. Sie selbst hätte ihrem Sohn – nein, all ihren Kindern – gerne jedes Leid erspart. Yoshu den Unfall und die Ziellosigkeit, welche zu seiner Flucht nach Taku geführt hatte, Meren den Zwang, die Schwertkunst zu lernen, Aru-Sun den Verlust seines Bruders und den irren Wahn, ihn ersetzen zu müssen. Ja, sie hätte ihnen gerne alles erspart, und doch wusste sie, dass das nichts brachte. Ihre erwachsenen Kinder, Yoshu und Meren, waren beide zu starken Menschen herangewachsen. Aru-Sun hatte seinen Weg noch nicht gefunden, doch Yojana war sich sicher, auch er würde das noch. Vielleicht nicht in ihren Fussstapfen, nein, aber er würde stark werden, auf seine Weise. Stärke entstand nicht durch immerwährende Sicherheit.
«Wir werden diese Gastfreundschaft gerne annehmen und uns ausruhen.», erwiderte sie dann auf das Angebot. Beziehungen… ja, das würde wichtig sein. Und ihre, das ahnte Yojana, mussten kameradschaftlich sein. Es musste Kämpferinnen und Kämpfer geben, welche lernten, ihnen zu vertrauen, welche ihre Anwesenheit schätzten. Man musste darüber sprechen, dass die Feuerbändiger Hilfe waren, nicht Bedrohung. Dann würden sie Fuss fassen, mehr und mehr.
«Ich denke aber, dass wir die Beziehungen, von denen Ihr sprecht, an der Mauer finden werden. Früher oder später werden wir in den Kampf ziehen und uns beweisen. Unser Aufenthalt hier ist wahrscheinlich von eher kurzer Dauer.»
Yojana hatte vorgeschlagen, dass sie zum Beweis ihrer Loyalität die marodierenden Feuersoldaten um Ba Sing Se herum aufspüren und vernichten würden. Natürlich nicht allein, aber als Speerspitze eines Einsatztrupps. Noch war das nicht unter Dach und Fach, und vor allem war der König viel zu klug, um seine Informationsquelle dem möglichen Tod auszusetzen, aber es war nur eine Frage der Zeit.
3. Dezember 2023 um 17:25 Uhr #1541Doppelhöcker!
AdministratorDas klang allerdings nach viel bösem Blut. Einem Sohn wurde erlaubt, was dem anderen verwehrt geblieben war… die aufbrausende Liebe war nicht schwächer als die gemächliche, und Yojana konnte sich gut vorstellen, wie sehr es den abgewiesenen Bruder in Rage versetzt hatte. Nicht, dass sie deswegen Sympathie für Meng fühlte. Dieser Mann hatte ihrem Sohn Dinge angetan, die so schrecklich waren, dass dieser sie nicht hatte aussprechen können und sie würde ihm nie, niemals!, verzeihen.
Ein wunderlicher Mann also, riss sich Yojana dann von ihren Gedanken los, und dachte sich, dass das in der Feuernation erst recht eine beliebte Partie gewesen wäre. Auch noch einer, der sich nicht wirklich einmischte und sich hinter den Büchern verkroch. Das war geradezu perfekt, denn man musste so jemanden nicht auch noch kompliziert bei Laune halten. Nein, nein, es war schon besser, dass Prinz Yuan offensichtlich in einer Nation lebte, in deren Kultur das Ausnutzen offensichtlicher Schwächen nicht fast schon zum guten Ton gehörten. Dann jedoch wurden ihre Gedanken erneut zu ihrem Sohn gelenkt.
«Ich kann Euch gar nicht genug dafür danken, dass Ihr das getan habt. Wer weiss, was aus ihm geworden wäre, hättet Ihr euch nicht seiner angenommen. Er hat es zwar nicht gesagt, aber ich weiss, dass Ihr für ihn wie eine Mutter geworden seid.»
Niemals hätte Yoshu das gesagt, das wusste Yojana. Nicht, weil es nicht wahr sein könnte, sondern weil er sie, seine Mutter, auf keinen Fall verletzen wollte. Sie wusste, dass er nicht wollte, dass sie dachte, nicht ausreichend zu sein. Das dachte sie nicht, denn das Schicksal hatte sich so gewunden, wie es sich eben gewunden hatte. Dafür konnte niemand etwas. Yojana war einfach nur dankbar dafür, dass Yoshu die Unterstützung und Liebe dieser Menschen gefunden hatte und sein gutes Herz damit die Zeit, sich von den schweren Verletzungen zu erholen.
3. Dezember 2023 um 14:17 Uhr #1539Doppelhöcker!
AdministratorInteressiert hörte Yojana zu. Dass Feilan sagte, sie wären nicht sicher gewesen, ob es möglich war, rückte diese Beziehung noch einmal in ein anderes Licht. Da hier vieles direkter und weniger rituell passierte als in der Feuernation, hatte sie sich durchaus vorstellen können, dass eine Ehe zwischen einem Prinzen und einer einfachen Frau möglich war, aber es schien doch nicht so einfach zu sein. In der Feuernation gab es zwar keinen breit aufgestellten Adel, aber Ministerämter wurden vererbt und entsprechend waren die Ehepartner und Ehepartnerinnen Söhne und Töchter aus diesen hoch angesehenen Familien. Feilan dagegen war nicht einmal eine Angehörige des Erdkönigreichs gewesen, also war es wohl eine sehr aussergewöhnliche Situation.
Tatsächlich fand sie es gar nicht überraschend, dass Prinzessin Sangye sich in diesen Teil einarbeitete. Yoshu hatte mit einigen wenigen Worten gestreift, dass er den Haushalt hatte verlassen müssen, da Prinz Meng überzeugender gewesen war als Prinz Yuan, und verteidigend erklärt, Feilans Ehemann hätte sein Bestes getan. Dass die Prinzessin da einen Mangel erkannt hatte, schien ihr naheliegend, genauso wie es bei ihrem tatkräftigen und praktischen Wesen naheliegend war, dass sie umgehend damit begann, diesen Mangel für sich selbst zu beheben. Aber wahrscheinlich war das von aussen leicht gesagt. Immerhin kannte sie, Yojana, nur den Ist-Zustand und hatte keine langsamen Veränderungen miterlebt, welche einen so leicht zu täuschen vermochten.
«Vielleicht ist unsere Lage gar nicht so anders.», antwortete Yojana. «Es ist gut möglich, dass es viele gegeben hat, welche gerne an Eurer Stelle gewesen und in die Königsfamilie eingeheiratet hätten. Sicher gab es auf politischer Ebene Feinde, auch wenn Ihr sie wegen Eurer Vermeidung dieses Parketts vielleicht nicht getroffen habt.»
Neid war eine starke Triebfeder. Oh, es musste Neider gegeben haben. Prinz Yuan war eigentlich die perfekte Partie. Als jüngster Sohn war er weit weg von der Erbfolge, denn vor ihm kamen Prinz Kanyo und dessen Kinder, dann Prinz Meng… Es war also ein Leben in Wohlstand, für sich selbst, für die eigenen Kinder, und dann auch noch die Möglichkeit für viel Einfluss mit geringem Risiko.
2. Dezember 2023 um 20:34 Uhr #1537Doppelhöcker!
Administrator«Ich denke, das Wichtigste ist im Moment Sicherheit – und so viel Kontrolle über seinen Tag, wie er auch immer haben kann.», erwiderte Yojana, welche auf das wiedehrolte Angebot dankbar genickt hatte. Sie wusste es, dass es so war, ja, aber dennoch tat es gut, es zu hören. Es bekam Nachdruck, war nicht einfach so dahingesagt. Auch wenn sie wusste, dass die Menschen hier meinten, was sie sagten, widerstrebte es ihr, nur einmal ausgesprochene Angebote anzunehmen. Manche Dinge wurden nur aus Höflichkeit gesagt und es war nicht recht, sie dann einzufordern.
Mit sicheren Schritten folgte Yojana Feilan, bemerkend, dass sie sehr vorsichtig ging – und automatisch bereit, zuzugreifen, falls sie rutschte. Sie selbst stand hervorragend auf ihren Füssen, obwohl es glatt war. Ihr Gewicht war beinahe perfekt ausgeglichen, so dass es kaum einen ablenkenden Druck gab, der einen rutschen liess. Als sie schliesslich oben waren, entging ihr auch der etwas schwerere Atem nicht, doch sie sagte nichts dazu, sondern setzte sich einfach ebenfalls hin, die Pause ohne Kommentar akzeptierend. Ausserdem, da musste sie zustimmen, war der Blick fantastisch.
«Es ist nicht leicht, fern von zuhause zu sein.», begann sie dann umschreibend die Frage, die sie eigentlich stellen wollte. «Und zu wissen, dass ein neuer Ort nun ein Zuhause sein wird. Vielleicht könnt Ihr etwas von Euren Erfahrungen dazu erzählen, damit wir davon lernen können.»
Davon zu lernen war nicht Yojanas Intention, aber keine zehn Pferde hätten sie dazu gebracht, ihre Neugierde voranzustellen und einfach direkt zu fragen, wie es für Feilan gewesen war, hier Fuss zu fassen. Bei allem guten Willen, so etwas war ohne einen eleganten Ausweg für die gefragte Person absolut und völlig undenkbar. Es war persönlich und erforderte ein gewisses Vertrauen. Auf keinen Fall wollte Yojana Feilan zu einer harten Absage zwingen und die angenehme Atmosphäre damit stören.
2. Dezember 2023 um 19:39 Uhr #1535Doppelhöcker!
Administrator«Von Haku wird zum Glück auf planerischer Seite wenig erwartet. Er wird vor allem im Kampf gefordert sein, aber der wird wahrscheinlich nicht gleich morgen oder übermorgen stattfinden.»
Zumindest hoffte Yojana das sehr. Auch sie und Tomi konnten eine Pause gut gebrauchen, auch körperlich. Die Reise war fordernd gewesen und sie mussten ihre Ressourcen neu aufbauen, damit sie wieder volle Leistung bringen konnten – und das mussten sie. Nicht nur, weil sie etwas zu beweisen hatten, sondern auch, um zu überleben. Zu kämpfen war eine harte Sache, welche keine Fehler gestattete, und auch keine Schwäche.
«Er ist als Kind nach Nord-Chung-Ling gekommen, mit einem Handelsschiff. Seine Mutter wurde ermordet und sein Vater forderte daraufhin den Mörder, der Sohn eines wichtigen Ministers, zum Agni-Kai. Jener Sohn, Taizo, war ein hervorragender Kämpfer, und es war ein grosses Risiko, aber während er sich dem Gericht problemlos entziehen konnte, so doch nicht einer Herausforderung. Das hätte seine Ehre nicht zugelassen. Allerdings gewann Taizo und Hakus Vater starb. Haku floh daraufhin mit den Ersparnissen seiner Eltern aus der Imperialen Stadt. Meine Tochter, Meren, fand ihn bettelnd in den Strassen. Das Geld wollte er nicht ausgeben, denn davon hatte er vor, einen Attentäter zu bezahlen. Nicht, dass das annähernd genug gewesen wäre…»
Yojana schüttelte ein wenig den Kopf. Sie war froh, dass er diese Münzen in der Zwischenzeit besser investiert hatte.
«Meren schlug ihm vor, besser selbst stark zu werden und eines Tages Taizo zum Agni Kai zu fordern, und von diesem Wunsch getragen klopfte er schliesslich an unser Tor. Er ist von einem verzweifelten Jungen zu einem starken, jungen Mann geworden, und auch wenn er manchmal noch vom Agni Kai spricht, glaube ich, dass er es nur noch tut, weil er es sich gewohnt ist. Sein Bändigen ist in unserem Erbe frei von Zorn und Wut, sonst wäre er nie so weit gekommen. Vor einem Jahr habe ich ihn in den Inneren Kreis aufgenommen. Ich bin sicher, er wird dem Ehre machen.»
Ja, da war sie sich wirklich sicher. Nicht umsonst stand Haku auch auf ihrer Liste von möglichen Nachfolgern. Wobei, jetzt natürlich nicht mehr, denn Yoshu lebte. Noch hatte sie nicht mit ihm gesprochen, denn es war natürlich möglich, dass in den turbulenten seine Pläne sich verändert hatten, doch allein die Tatsache, dass er eine Schule eröffnet hatten, sprachen eigentlich dafür, dass er an seiner Aufgabe festhielt.
2. Dezember 2023 um 17:41 Uhr #1533Doppelhöcker!
AdministratorSich den Garten anzuschauen und ein wenig nach draussen zu kommen, war in der Tat eine gute Aussicht, und so stimmte Yojana ohne zu zögern zu. Im Gästetrakt zog sie sich dann den Mantel an, den man ihr zur Verfügung gestellt hatte, und zog sich das warme Band über die Ohren, wobei sie das lange, zum Zopf geflochtene Haar darüber baumeln liess. So ausgerüstet ging sie wieder nach draussen und traf dort Feilan, welche bereits auf sie wartete.
Die Empfehlung, sich nur im Familienteil des Gartens aufzuhalten, nahm Yojana mit einem Nicken entgegen. Das war allerdings mehr als vernünftig, denn der Hass der Menschen war gross, genau wie die Unsicherheit. Möglich, dass es hier besser geworden war, da die Leute Yoshu kannten, aber auf der anderen Seite war er eben Yoshu und nicht ‘Die Feuerbändiger’, was auch gut und richtig war. Es war nicht sinnvoll, einen möglichen Konflikt heraufzubeschwören. Tief atmend folgte die Schwertmeisterin ihrer Gastgeberin. Es tat gut, die frische, kühle Luft in die Lungen zu ziehen. Sicher, davon hatte sie auf der Reise auch eine Menge gehabt, aber jetzt bedeutete es Pause und ein wenig Ruhe für den Geist, wo es vorher Gefahr und Rastlosigkeit gewesen war.
Nachdenklich betrachtete sie dann das Gartenhäuschen. Das war also der Ort, wo ihr Sohn zuhause gewesen war, als alle sich gegen ihn gerichtet hatten. Es war in der Tat ein schöner Ort und, wie er gesagt hatte, hatte den Ort des Bagua. Eine wunderschöne Übereinstimmung. Dann blickte sie ein wenig überrascht zu Feilan, als diese sagte, sie könnten hier üben.
«Das wäre sehr schön.», antwortete sie. «Tatsächlich wäre es besonders für Haku gut. Er ist noch so jung und er könnte gut etwas gebrauchen, das er kennt und das ist, wie es immer ist. Ich denke mir, ich würde auch Eure Einladung, mit Euch zu essen, gerne erst einmal allein wahrnehmen, damit ich ihm erzählen kann, was ihn erwarten würde, falls es die Gelegenheit noch einmal gäbe.»
Was sie sehr hoffte, denn auch das, das wusste sie genau, würde gut tun. Ihnen allen. Darum, weil sie jetzt viel Feindseligkeit und Anspannung erlebt hatten, aber auch, weil sie so lernen konnten, wie die Menschen hier lebten, sich benahmen und dachten. Es war an ihnen, den Fremden, sich wo nötig anzupassen, und nicht umgekehrt.
-
AutorBeiträge
